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22.05 - 02.06.06
Ukraine
Ukraine_Seen, Fjorde, Schwarzes Meer
22. Mai 2006_ Nach wunderschönen 18 Tagen und 1.432 Kilometern in Rumänien geht es heute auf in Richtung Ukraine.Wir haben ein wenig Sorge, wie es wohl an der Grenze zur Ukraine laufen wird. Müssen wir alles auspacken? Gibt es evt. einiges an Papierkram zu erledigen? Was sagt man zu Muffin?Na, egal, auf geht’s – wird schon gut gehen. Die Grenzbeamten waren dann auch relativ freundlich, versuchten aber wichtig zu wirken und ernste Fragen zu stellen (eine junge Frau hatte tatsächlich zu ihrem camounflagefarbenen Kampfanzug hochhackige Schuhe mit Nylonstrümpfen an!)

Anfänglich gab es ein wenig Aufregung um unsere Hundepapiere. Zum Glück war ein englisch sprechender Soldat dabei der, so gut er konnte, unsere Erklärungen zu den „Hundepapieren“ übersetzte. Nach einigem hin und her hat ein Herr vom medizinischen Dienst die Sache dann geregelt. Letztendlich gab es keinerlei Probleme und wir konnten nach ca. 30 Minuten einreisen.

 So, nun sind wir also in der Ukraine – jetzt wird unsere Reise richtig spannend, haben wir doch erst jetzt das uns vertraute Europa verlassen.Richtig viel Spaß haben wir beim ersten Tankstop – hier kostet der Liter Diesel nur ca. 57 Cent! Abends übernachten wir am Rande eines riesigen Blumenfeldes – Sonnenuntergang – wunderbar! Bis auf die Tatsache, dass Jörgen bemerkt, dass einer unserer Radbolzen abgerissen ist. Halb so schlimm, fünf Stück sind ja noch dran, die die Felge festhalten.Nachdem wir am Morgen gemütlich unseren Kaffe getrunken haben, führt uns der Weg heute um das nördliche Moldawien herum Richtung Westen. Die Gegend, durch die wir fahren ist wunderschön, unterscheidet sich jedoch noch nicht besonders von Rumänien.Die Häuser sind ähnlich gebaut, aber der Stil ist nicht ganz so gemischt.

Als erstes fällt jedoch auf, dass die Leute zwar immer noch uns und vor allem unserem Auto nachschauen, jedoch nicht mehr so freundlich unsere Grüße erwidern, wie wir es aus Rumänien gewohnt waren. Die Menschen begegnen uns eher ein wenig skeptisch. Außerdem muss sich nun zeigen, ob unser Russischkurs, den wir im Winter 2005 an der Volkshochschule in Mainz belegt hatten, einigermaßen Früchte getragen hat – alle Schilder sind von nun an in kyrillischer Schrift geschrieben. Die Straßenverhältnisse sind etwas besser, aber auch hier ist man nicht vor teilweise katastrophalen Strecken gewahrt. Manchmal können wir nur 25 Kilometer in der Stunde zurücklegen.

 Auch die Beschilderung lässt zeitweise sehr zu wünschen übrig und da uns auch unser GPS nicht viel weiterhelfen kann, verfahren wir uns gegen frühen Abend ordentlich. Wir landen an einem kleinen See, wo wir Michael und Wadik kennen lernen. Die beiden genießen hier die schönen Seiten des Rentnerlebens beim Angeln. Die Kommunikation ist schwierig, aber dass wir zur Fischsuppe eingeladen werden, kommt recht schnell bei uns an! Wir stehen inmitten eines Vogelparadieses, an dem jeder Ornithologe seine Freude hätte. Hier gibt es Reiher, Störche, Raubvögel und diverses anderes Vogelvieh wie bei uns zu Hause Spatzen.Abends wird dann noch kräftig unser Pflaumenschnaps aus Rumänien getrunken und wir versinken bei ohrenbetäubenden Froschgequarke in tiefen Schlaf. 

24. Mai 2006_ Aufgrund der Routenempfehlung unser beiden Anglerfreunde gelangen wir über recht vernünftige Straßen relativ schnell auf die M 05, die uns in Autobahnmanier Richtung Odessa trägt. Zwischenzeitlich bricht unser neuer Auspuffkrümmer und Jörgen kann sich in seinem Ärger über den Mechaniker aus Rumänien kaum beruhigen. Er hatte gleich mit ihm diskutiert, dass der Auspuff viel zu viel Spannung aufwies und an zwei Stellen am Auto gescheuert hatte. Nun musste der alte Auspuff, notdürftig repariert, noch einmal herhalten. Da es in der Ukraine an der Tagesordnung ist, dass die Autos auf den Strassen verrecken, findet man alle paar Kilometer Auffahrrampen, um die Schäden komfortabler zu reparieren. Schnell gesellt sich ein kräftiger LKW Fahrer zu uns und packt mit an. Der Auspuff ist in Rekordzeit gewechselt.

Im Großraum Odessa haben wir mal wieder leichte Orientierungsschwierigkeiten und werden durch die Vororte mit ihren üblen Plattenbauten und ghettoähnlichen Wohnvierteln abgeschreckt. Hier können, bzw. wollen wir auf keinen Fall die Nacht verbringen. Nach einem Blick auf unsere Karte entdeckt Jessi einen kleinen „Fjord“ im Nordwesten von Odessa, den wir ansteuern. Das Land ist so platt, dass Jörgen sich an seine schleswig-holsteinische Heimat erinnert fühlt, und bietet keinerlei Möglichkeit, irgendwo ungestört wild zu campen. Wir halten bei einem kleinen Motel an, um nach dem Weg zu fragen und lernen Helen kennen. Sie ist die Besitzerin und spricht gut Englisch. Wir fragen, ob wir eine Nacht hinter Ihrem Haus übernachten können. Allerdings ein nicht sehr anmutender Platz. Nach kurzem zögern bietet sie uns an, auf Ihrem Privatgrundstück inkl. Strand direkt am Fjord zu übernachten. Welch ein Glück. Helen begleitet uns mit Ihrem kleinen (aber schnellen) alten Lada und wir verbringen die Nacht neben dem Sommerhaus, nur 5 Meter vom Wasser des Tullhul´s´kyi lyman- Fjordes entfernt. Wir können so lange bleiben, wie wir möchten – Perfekt! Gute Nacht!

 

25. Mai 2006_ Der Platz, an dem wir stehen ist so wunderschön, dass wir entscheiden, einen Tag zu bleiben. Eigentlich fühle ich mich an Norwegens Fjorde erinnert, obwohl ich noch nie da war. Aber vielleicht liegt das auch an dem Buch, was ich zur Zeit lese: Der Schwarm von Frank Schätzing. Kann ich nur jedem empfehlen!

Muffin ist auch ganz begeistert von der location und versucht stundenlang dem Strandabschnitt durch ununterbrochenes Graben und Buddeln eine neue Küstenarchitektur zu verleihen. Wir holen uns einen hübschen Sonnenbrand und gegen frühen Abend wird es so stürmisch, dass wir den Cruiser 10 Meter weiter vom Stand weg parken. Am nächsten Morgen ist der Platz alles andere als traumhaft: uns umschwirren hunderttausende von Fliegen, die den gesamten Strandabschnitt wie eine Plage belagert haben. Wir versuchen einigermaßen fliegenfrei mit unserer Einraumwohnung Richtung Mykolaiv/ Kherson zu entkommen.

Trotz aller Warnungen vor den Radarpistolen der ukrainischen Polizei erwischt es uns doch. Nachdem Jörgen 10 Minuten einem extrem altersschwachen Lkw mit 55 Sachen hinterhergejuckelt ist, ergreift er die erste Möglichkeit zum Überholen. Doch leider an der falschen Stelle – durchgezogene Linie – Zack 10,- € ins Portemonnaie der lachenden Staatsgewalt. Ohne Quittung natürlich. 

Südwestlich von Kherson fahren wir ins Mündungsgebiet des Dnepr. Wir wollen am Wasser übernachten, doch der ganze Fjord ist mit Schilf zugewachsen. In der Regel planen wir so, dass wir am späten Nachmittag einen Standplatz gefunden haben, und nicht im Dunkeln fahren geschweige denn suchen müssen. Das klappt leider nicht immer. Oft fährt und fährt man, immer unglücklich mit dem, was man gerade findet und die Hoffnung auf einen noch schöneren Platz treibt einen voran. Das Gesuche ist sehr Nerven zehrend. Auch heute ist so ein Tag, an dem wir uns für keinen Platz entscheiden können und sind frustriert. Aber wenn man so genervt ist, ist man auch offensiver, um dem ganzen endlich ein Ende zu setzen. So kam es, das wir an einem hoch eingezäunten Grundstück anhielten mit grossem Tor. Ein Angler war darauf abgebildet. Keine Ahnung was das sein sollte, aber haben wir da nicht ein Stück Strand gesehen?! Wir klopfen so lang, bis man uns öffnet. 20 Minuten später stehen wir im „Angler-Resort“, mit weißem Sandstrand, inmitten des dichten Schilfgürtels. Der Verwalter Sascha verklickert uns, dass wir hier für umgerechnet 3,- € die Nacht direkt am Wasser campen können. Super! Zudem sind wir, abgesehen von 2 Anglern die einzigen Gäste. Abends sitzen wir dann mit Sascha, seiner Frau und Tochter Sweta in einer (ehemaligen) umgebauten Funkerkabine der sowjetischen Streitkräfte bei leckerer Fischsuppe. Und Wodka gibt es natürlich auch…

Nebenbei erwähnt Jörgen unseren defekten Auspuff und Sascha weiß sofort einen „Spezialisten“, der uns am Sonntag das Malheur beseitigen kann. Wir verbringen einen tollen Tag im Anglercamp, Jörgen fotografiert morgens ein paar Wasserschlangen und die Wildschwein- und Fasanenzucht bewundern wir auch. Abends wird es leider wieder sehr stürmisch. Das Wetter ist relativ wechselhaft. War es bis mittags noch wunderschön und heiss, zog am späten Nachmittag oft ein heftiger Sturm auf. 

 

28. Mai 2006_ Nach einem unglaublichen Aufsteh-Rekord incl. frisch gemahlenem Kaffe (per Hand gemahlen!) sind wir mit Sascha, seinem echt coolem Wolga (Bj. 1973) und unserem BJ beim Auspuffspezialisten. Für 20,- $ schweißt er uns den Schaden und der Krümmer wird so angepasst, dass auch Jörgen vollends zufrieden ist.

Nun geht’s endlich Richtung Krim!

Wir fahren Richtung Bakal´s´ka Buktha südwestlich von Krasnoperekops´k und finden in dem Ort Sterehusche einen schönen Platz direkt am Schwarzen Meer. Nachdem wir 20 Minuten dort gestanden haben, lernen wir Andreas kennen. Er kommt aus Ulm und stammt ursprünglich aus Qaraghandy/ Kasachstan (liegt genau auf unserer Route!). Er baut zur Zeit ein hübsches Haus in dem Ort und läd uns zu sich ein. Kurzerhand verlagern wir unseren Standplatz auf sein Grundstück und lernen seine Tochter Olga, ihren Freund Artur und Peter kennen. Sie verbringen mit Andreas eine Woche am Schwarzen Meer. Die Baustelle ist für uns sehr interessant – hier wird mit Steinen aus Muschel-Sedimentablagerungen gebaut. Tolles Material! Wir verbringen einen super Abend bei sehr gutem Essen und ein wenig Wodka…

 

29. Mai 2006_ Nachdem wir aufgestanden sind und warm (!) geduscht haben, fahren wir auf die Landzunge Balka`s`ka kosa. Im Osten vor uns liegt das Schwarze Meer tükisfarben ruhig wie ein See. Im Westen, keine 30 Meter entfernt braust die tosende Brandung des Schwarzen Meeres. Leider sehen wir nur tote Delfine, die am Strand durch die Aasfresser wieder dem natürlichen Kreislauf der Natur zugeführt werden. Unsere Wanderung ist superschön und wir beobachten viele Seevögel und große Silbermöwen. 

Nachdem wir aufgestanden sind, fahren wir dem orangenem VW-Bus von Andreas hinterher nach Yevpatoriia. Hier gibt es einen großen Bazar, auf dem sich unsere Wege wieder trennen. Wir schlendern über den Markt und sind begeistert, was es hier alles an leckeren, frischen Waren gibt. Die Leute hier sind wahre “Meister“ im Einlegen von Gemüse.

Eigentlich wollten wir einen Campingplatz nördlich von Sevastopol ansteuern. Aber was wir (in Deutschland) unter Camping verstehen, gibt es hier in diesem Sinne nicht. Die Campingplätze sind große Anlagen aus den Anfängen der 70´er Jahre, wo es viele einfache Holzhütten mit großen Grillplätzen gibt. Recht verfallen und vor allem noch nicht geöffnet. Die Saison beginnt hier erst Mitte Juni. So haben wir mal wieder unsere Probleme, einen geeigneten Übernachtungsplatz zu finden und landen letztendlich auf eben einem solchem (noch geschlossenem) Platz. Der dazugehörige Strand gleicht eher einer mitteleuropäischen Müllhalde, so dass wir den Abend vorm Auto verbringen und lieber Reiseberichte wie diese schreiben…

 

01. Juni 2006_ Heute fahren wir nach Jalta. Die Nacht haben wir auf einer schönen Wiese mit Blick auf die bewaldeten Berge der südlichen Krim verbracht. Bis auf ein paar Kühe am Morgen, holt einen hier nichts aus dem Schlaf. Um nach Jalta zu gelangen, muss man über einen Pass von 1207 m Höhe. Oberhalb erwartet uns ein wunderschönes, riesiges Plateau. Auch hier hat sich natürlich das Militär breit gemacht. Einige Punkte mussten wir bereits streichen, wie z.B. zwei Seen, da kurz vor der Ankunft eine Schranke und ein Soldat uns die Weiterfahrt verwehrten. Leider sind die schönsten Plätze oft militärische Sperrgebiete und auf unserer Karte nicht eingezeichnet…Natürlich gibt es einen schönen Aussichtspunkt mit einigen touristischen Angeboten. Die Aussicht ist toll, aber wir wollen nach Jalta und in der Stadt einen Campingplatz suchen. Wir sind immer noch der Hoffnung, wenigstens ein „Bungalocamping“ zu finden, wie in der Karte eingezeichnet. Wir finden ihn tatsächlich. Nur das dort jetzt ein riesiges Hotel mit Pool steht. Leider nicht unsere Preisklasse.Jalta selbst ist eine tolle, brodelnde Stadt, mit starkem südländischem Flair. Unsere Suche nach einer Pension o. ä. endet damit, das wir 40 Km weiter in die nächste Stadt (Aluschta) fahren. Hier finden wir ein nettes Zimmer mit Parkmöglichkeit im Hinterhof für 20,- $ die Nacht.

 

02. Juni 2006_Vielleicht fahren wir noch mal nach Jalta zurück. Da allerdings unser Russland Visum bereits angefangen hat, und es uns stetig nach Osten zieht, in freudiger Erwartung auf Kasachstan, werden wir unseren Weg entlang der Küste wohl fortsetzen. So muss Jalta bis zum nächsten Besuch auf uns warten …