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13.08 - 06.09.06
Kirgistan
Kirgistan_ Besuch aus Deutschland
13. August 2006_ Wir verbringen den Tag in Bishkek und erledigen Einkäufe und Internet. Das Handy klingelt und uns erreicht eine SMS: „5 Stunden Verspätung- Ankunft gegen 22:00h". Heute kommen endlich Kerstin und Sebastian aus Mainz zu Besuch. Doch leider können wir die beiden so spät nicht mehr am Flughafen abholen. Da müssen wir morgen noch mal wieder kommen. Am nächsten Tag ist es dann endlich soweit. Nach ca. 5 Monaten vertraute Gesichter aus der Heimat. Die Freude ist gross und es gibt viel zu erzählen. Zur Begrüssung gibt es am Abend in der Datscha ein Lagerfeuer mit leckerem Schaschlik und kaltem Bier.

 

15. August 2006_ Da Kerstin und Sebastian drei Wochen in Kirgistan Urlaub machen, planen wir, die ersten Tage gemeinsam zu verbringen und uns dann noch mal in der letzten Woche zu treffen. Doch erstmal sind wir vier am nächsten Tag bei Gulnaras Eltern im Nachbarort eingeladen. Es gibt ein großes Festessen, genannt „Beshbamak" zudem extra ein Schaf geschlachtet wird. Wie es so ist in Kirgistan, sitzt die Familie samt Nachbarin auf dem Boden, um den großen Wohnzimmertisch herum. Es wird geschlemmt und mit Wodka angestoßen. Natürlich gibt es zu jedem Wodka einen Trinkspruch. Ein Sprichwort besagt: „Wer trinkt ohne einen Trinkspruch, der säuft. Aber wer einen Trinkspruch zum Wodka zum Besten gibt, der feiert!"

Das Gericht selbst besteht aus dem Fleisch des Schafes samt Innereien, einer Art Reispfanne, frischem Fladenbrot und Salat. Der Ehrengast, in unserem Falle Sebastian, bekommt das kostbarste Stück, nämlich den Schafskopf. Dabei ist es Sitte, auch die Augen zu essen. Man kann sich vorstellen, dass der Anblick des Kopfes für einen Europäer gewöhnungsbedürftig ist, das Essen der Augen allerdings fast unmöglich....

Zum Glück konnte sich Sebastian geschickt aus der Affäre ziehen. Hat man die Ehre den Kopf zu essen, kann man zum Dank und als Symbol fuer ein baldiges Wiedersehen, die Augen einem geliebten Gast schenken. In diesem Fall waren es die Großeltern, die, vertraut mit den kirgisischen Sitten mit Genuss die Augen verspeisten. Das Aufatmen auf unserer Tischseite war kaum zu überhören...

 

16. August 2006_ Für uns steht als erstes die Fahrt zum Yssyk- Köl an. Wir wollen uns dort mit Karsten treffen, den wir in Kasachstan kennen gelernt haben. Kurzer Hand schließen sich Sebastian und Kerstin an. Vorher werden die Mopeds klar gemacht und als Dreier- Gespann beginnt die Reise. Jessica nimmt Kerstin im Landcruiser mit und so können Jörgen und Sebastian sich auf den Mopeds austoben. Wir erreichen am frühen Abend den Ort Tamga und finden ein schönes Stückchen Strand an dem man wunderbar campen kann. Leider war es schon dunkel und man konnte nicht erkennen, dass es tiefer weicher Sand war. So fuhr Jessica den Cruiser innerhalb von einer Minute im tiefen Sand gnadenlos fest. So mussten wir die Nacht wenigstens nicht befürchten, dass uns jemand den Wagen klaut...

Am nächsten Tag war dann auch ein anderer Landcruiser- Fahrer, von denen es Unmengen in Kirgistan gibt, so freundlich und zog uns mit einem kleinen Ruck aus der Misere.

Am Mittag trafen wir uns dann mit Karsten in Tamga. Er hat zusammen mit einer Reisegruppe ein wunderschönes Guesthouse bezogen, um einige Tage dort auszuspannen. Die Gruppe macht eine geführte Wandertour von Almaty/ Kasachstan bis zum Engilchek Gletscher ganz im Osten Kirgistans. Das Widersehen war wunderschön. Ausgiebig wurde geplaudert und am Abend gesellten sich einige der Reisegruppe zu uns ans Lagerfeuer. Heftige Regenschauer ließen uns allerdings für einige Zeit im Landcruiser Unterschlupf suchen. Dabei stellte sich heraus, dass es kein Problem ist, mit 9 Leuten gemütlich im Inneren zu stehen und Schaschlik zu futtern. Für uns war es ein besonders schönes Erlebnis, Karsten, den wir auf der Reise kennen gelernt haben, wieder zu treffen.

 

18. August 2006_ Am nächsten Tag gab es bei Kaji Say noch mal einen Besuch bei den roten Felsformationen, von denen wir bereits im Bericht zuvor erzählt haben. Doch auch diesmal gab es wieder unzählige neue Wege und Formen zu entdecken.

Auf dem Weg in die Stadt Kochkor fahren wir einen kleinen Umweg in die wunderschöne Turgasu Schlucht. Wir campieren an einem kleinen Fluss und Kerstin und Sebastian schlagen ihr Zelt auf. Am Abend bekommen wir Besuch von einem jungen Kerl, der auf Murmeltier Jagd war. Stolz präsentiert er uns sein geschossenes Exemplar. Ein weiterer Kirgise kommt hinzu und bald wird auch der Wodka herausgeholt. Wir laden die beiden zum Essen ein und je länger der Abend, desto tiefer wird ihr Blick ins Glas. Nach einer Weile vordern die beiden weiteren Alkohol und können es nicht glauben, dass wir keinen mehr dabei haben. Die anfänglich schöne Runde wurde daraufhin etwas anstrengend. Irgendwann beschließen die beiden zu gehen. Wir sind froh und in Zukunft etwas vorsichtiger mit allzu schnellen Einladungen.

Unser Misstrauen wird allerdings am nächsten Tag sofort wieder in Nichts aufgelöst. Ein junger netter Mann kommt uns besuchen und zeigt sich von seiner besten Seite. Wir bekommen sogar ein Buch geschenkt und Kerstin kann ausprobieren, wie es sich so auf einem Pferd sitzt.

 

20. August 2006_ In Kochkor angekommen, übernachten wir wieder in dem kleinen, schönen Guesthouse, welches wir von unserem ersten Ausflug noch gut in Erinnerung hatten. Die Besitzer sind erfreut, uns wieder zu sehen.

Von Kochkor aus, wollen wir den Lalpakbel Pass überqueren und in das Ooruk- Tam Tal fahren. Es wird eine aufregende Fahrt durch wenig besiedeltes Land. Ein Motorrad haben wir in Kochkor stehen gelassen und Kerstin fährt nun als Sozius bei Sebastian mit.

Wir finden bald einen herrlichen Standplatz mir grandioser Aussicht. Etwas schräg, dafür direkt am Berg. Hier kann man es aushalten und wir bleiben drei Tage. Wir wandern auf den angrenzenden Berg auf 3000 Meter Höhe. Ein anstrengendes Unterfangen in dieser Höhe, aber der Ausblick lohnt. Nach diesem schönen Ausflug trennen sich unsere Wege. Kerstin und Sebastian müssen jetzt ihr Gepäck mit aufs Motorrad nehmen. Ein zweifelhaftes Unterfangen, doch wie sich später herausstellt, halten die bereits gebrochenen Halerungen des Gepäckträgers bis zum Schluss.

Während sich Kerstin und Sebastian Richtung Tash Rabat aufmachen, lassen wir uns vom Wetter leiten. Wir fliehen regelrecht vor den dicken grauen Wolken und folgen der Sonne- direkt zum Song Köl. Wir nehmen aber diesmal einen anderen Pass hinauf zum See und finden uns bald in einer gigantischen Landschaft wieder. Noch 15 Km Luftlinie bis zum See stehen wir auf einem Pass und genießen die tolle Aussicht ins Tal.

Erst am nächsten Tag fahren wir das letzte Stück zum See hinauf über den „32- Kurven- Pass". Wir suchen wieder die gleiche Stelle auf wie beim ersten Besuch am Song Köl, wo beim Reiterfest ein wildes Getümmel herrschte. Diesmal ist es ruhig und das Wetter himmlisch. Einige Fahnen und Papierreste auf dem Boden lassen noch von dem grossen Spektakel ahnen.

Dann ist es Zeit für uns, zur Datscha zurück zu kehren. Wir haben vor der Weiterreise nach Tadjikistan noch einiges in Bishkek zu erledigen. Wehmütig verlassen wir den Song Köl. Die Tage vergehen wie im Fluge. Wir fahren x Mal von der Datscha nach Bishkek und erledigen tausend Dinge.

 

28. August 2006_ Kerstin und Sebastian sind wieder zurück von Ihrer Tour. Wir wollen die letzten verbleibenden Tage nutzen und das Tal und die Berge direkt hinter der Datscha erkunden. Kerstin und Jessica setzen sich aufs Pferd und Sebastian und Jörgen gehen zu Fuß. Es wird ein lustiger „Aufritt", da Kerstin und Jessica in Begleitung von Bartabek, einem Bruder Gulnaras, in bester Gesellschaft sind. Für die Männer war es dagegen ein anstrengender Aufstieg (1250 Höhenmeter), jedoch belohnt von toller Landschaft.

Unser Ziel ist der Kokmoinok, ein kleiner See auf 2900 Meter. Der Ort ist beeindruckend und hat fast etwas mystisches. Wir bauen unsere Zelte auf und wundern uns die ganze Zeit, wo nur Bartabek schlafen wird. Er hat nämlich kein Zelt dabei...

Er will tatsächlich draussen auf dem Boden, nur mit ein paar Decken übernachten. Und das bei ca. 0° in der Nacht. Die Kirgisen sind eben doch aus härterem Holz geschnitzt als wir Europäer. Zu unserer Erleichterung nimmt Baratbek dann aber das Angebot an, mit anderen Hirten in der Jadghütte unweit unseres Schlafplatzes zu übernachten. Wir sind froh. Keiner hätte auch nur ein Auge zugetan, wenn Bartabek draußen übernachtet hätte.

Der nächste Tag bringt neben ein paar Wolken herrlichen Sonnenschein. In dem kleinen See spiegeln sich je nach Tageszeit die Berge in den unterschiedlichsten Farben. Abends wird am Lagerfeuer gekocht und ein am Feuer erwärmter Stein sorgt die ganze Nacht für wohlige Wärme im Schlafsack. Der nächste Morgen allerdings ist bitterkalt und bewölkt. Bartabek ist bereits am Tag zuvor mit den Pferden zurück geritten, aber wir bekommen ein Pferd als Packpferd für den Rückweg. Der Hengst ist ziemlich träge und verlangsamt den Rückweg, während sich in unserem Rücken dunkle Wolken zusammen brauen. Dann sind weiter unten im Tal noch einige Flüsse zu überqueren. Sebastian quetscht sich quasi neben dem ganzen Gepäck, was schon auf dem Pferd ist, noch irgendwie in den Sattel und reitet wagemutig durch die Flüsse. Wir anderen müssen einen Umweg nehmen.

 

02. September 2006_ Leider erfahren wir, dass Turkmenistan die Grenzen den ganzen Oktober durch schliessen will. Genau der Monat, in dem wir dort durchreisen wollen. Wir sind schockiert über diese Nachricht. Das bedeutet für uns, dass wir evtl. die Route ändern und alle Visa, die wir bereits im Reisepass haben abgeändert werden müssen. Die Agentur, die uns bereits unsere Einladung für Turkmenistan besorgt hat, kann uns nur damit trösten, so schnell es geht nach Dushanbe in Tadjikistan zu fahren, um dort das Visa zu beantragen. Vielleicht haben wir Glück und man genehmigt es uns trotz der Restriktionen.

Das bringt ziemliche Spannung in unsere Reise. Wird alles so klappen, wie wir es geplant haben? Oder wird alles doch einen anderen, ungeahnten Verlauf nehmen? Sollten die Turkmenen hartnäckig bleiben und wegen eines politischen Treffens die Grenzen geschlossen halten, müssen wir vielleicht zurück nach Kasachstan, von dort mit der Fähre nach Aserbaidschan reisen, um dann von dort in den Iran zu gelangen. Oder fahren wir einfach zurück nach Kirgistan und bleiben den Winter dor? Wir wissen es nicht und werden versuchen, in Tadjikistan das Visum zu bekommen. Leider werden wir nun nicht mehr so viel Zeit in der Pamir- Region verbringen koennen, da die Zeit draengt.

Die schöne Zeit mit Kerstin und Sebastian neigt sich dem Ende zu. Die beiden fliegen am 03. September wieder zurück nach Deutschland. Doch nicht, bevor noch mal ordentlich Abschied gefeiert wird. Mit einer anderen Reisegruppe, die Talant geführt hat, sitzen wir abends gemütlich bei leckerem Essen zusammen. Lustigerweise ist in der Gruppe ein Wiesbadener dabei, den wir bereits vor 2 Jahren bei der Recherche zu unserer Reise kennen gelernt haben. So klein ist die Welt...

Nach dem Essen trägt eine kirgisische Band Nomadenmusik vor. Dabei werden die traditionellen Instrumente, wie z. B. die Maultrommel vorgestellt und -gespielt. Dieses findet in einem Raum statt, der normalerweise als Wohnzimmer dient. Es ist ein unglaubliches Bild, was sich uns bietet, als die kleine Gesangsgruppe ihren Auftritt vor dem Sofa hat, welches gespickt ist mit unzähligen Stofftieren. Traditionelle Kostüme und kirgisische Klänge gemischt mit Mickey Mouse und Co.

Am nächsten Tag bringen wir Kerstin und Sebastian zum Flughafen. Es ist ein komisches Gefühl! Normalerweise ist man selbst immer derjenige, der sich verabschiedet und nach Deutschland zurück fliegt. Diesmal bleiben wir und schauen ihnen doch ein wenig wehmütig nach.

Für uns heißt es am nächsten Tag Abschied nehmen von neuen Freunden. Wir haben die Zeit bei Gulnara und Talant sehr genossen. Jetzt wird das Auto wieder zum „ersten Wohnsitz" und wir machen uns auf in den Süden. In der Stadt Osh stocken wir noch mal unsere Vorräte auf dem Basar auf. Es ist ein unglaublicher Ort. Die Stände stehen dicht gedrängt und es gibt eine Fülle an Gemüse, diversen Früchten und alles, was man sonst noch braucht. Der Cruiser ist nun zum Anschlag voll mit Essen und zusätzlich haben wir acht 5 Liter Wasserkanister mit Diesel gefüllt. Die Qualität des Diesels lässt tiefe „Sorgenfalten" auf Joergens Stirn entstehen. Der Diesel, den wir noch in Bishkek „zur Probe" in eine der Wasserflaschen gefüllt haben, hat eine schöne goldgelbe Farbe. Der Diesel aus Osh hingegen ist pechschwarz. Mal schauen, was unser Motor mit diesem Kraftstoff so anfangen kann... Mit den Kanistern und einem vollen Tank fahren wir nun mit 260 Litern Diesel Richtung Tadjikitsan, um auf dem Pamir Highway die Hochebene von Gorno- Badakhshan kennen zu lernen.

 

05. September 2006_ Wir übernachten vor dem für uns letzten Pass in Kirgistan. Wir sind aufgeregt, denn am nächsten Tag wollen wir in Tadjikistan einreisen. Wir wissen nicht, was uns erwartet außer, dass wir uns die meiste Zeit auf ca. 4000 Meter aufhalten werden. Wir sind wehmütig, Kirgistan, in das wir uns „buchstäblich" verliebt haben, zu verlassen. Doch irgendwie sind wir sicher, dass wir nicht das letzte mal dort waren.