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30.09 - 06.10.06
Tadschikistan
So kann es dir ergehen oder ĄDas unschoene Ende einer wundervollen Reise"

30. September 2006_ Die Zeit in Dushanbe geht zu Ende. Wir werden die gemeinsamen Abende mit Filippo, Gennaro, Diletta, Anna und Adriana aus Italien auf der schoenen Veranda sehr vermissen. Aber wir sind guter Dinge. Das Auto ist repariert und vor uns liegt das schoene Usbekistan, wo es Orte wie in „1001 Nacht" geben soll. Allerdings muessen wir noch mal ueber den Ansob Pass, einer der schlechtesten Paesse unserer ganzen Reise. Allerfeinste Schotterschlaglochpiste mit engen Serpentinen, gespickt mit uneinsichtigen LKW- Fahrern.

Mit den Reparaturen am Auto hoffen wir, das alles gut zu ueberstehen. Wir wollen ueber Pendzihkent ausreisen, um vorher noch ein paar Tage an den „Sieben Seen" kurz vor der Grenze zu verbringen. Bei der dritten Ueberfahrt ueber den Pass kommt uns dieser auch schon gar nicht mehr so wild vor. Nach 2 Tagen Fahrt erreichen wir den kleinen Ort, an dem wir zu den Seen abbiegen. Vorher rufen wir Simon an. Seine Nummer haben wir von Anna aus Dushanbe bekommen. Er arbeitet bei der Welthungerhilfe in Pendzihkent. Wir wuerden ihn gern besuchen, um mehr ueber die Arbeit dort zu erfahren. Simon hat in zwei Tagen fuer uns Zeit und so fahren wir direkt zu den Seen.

 

01. Oktober 2006_ Die „Sieben Seen" staffeln sich bis ins Zerashan Gebirge. Sie sind durch einen Fluss verbunden und schlaengeln sich wie an einer Perlenschnur gezogen durch das Tal. Man muss einige Hoehenmeter zuruecklegen, um auch an den letzten See zu gelangen. Wir schaffen es bis kurz vor den 4. See. Mitten in einer Steigung gibt der Motor plötzlich keinen Laut mehr von sich. Wir stehen. Das hatten wir schon mal und schnell stellt sich raus: auch diesmal ist eine Sicherung durchgebrannt. Soweit so gut- jedoch ist es im Kabelgewirr hinter dem Armaturenbrett nicht moeglich, den elektrischen Defekt zu finden. Waehrend wir die Kabel ueberpruefen, naehern sich zwei Maenner. Sie kommen aus einem der Doerfer und holen am Abend die Fische aus ihren Netzen im 3. See. Ganze 10 Kilometer schlendern die beiden vom Dorf zum See und wieder zurueck. Wir kommen schnell ins Gespraech, denn der eine ist Deutschlehrer in der hiesigen Dorfschule. Natuerlich gehen die beiden nicht, bevor sie uns fuer den naechsten Tag zu sich eingeladen haben. Das wir die Einladung nicht annehmen werden, wussten wir bis dato noch nicht. Da wir nun aber den Kabelschaden nicht gefunden haben und es langsam dunkel wird, ueberbruecken wir mit einer Metallklammer die Sicherung. Wir kehren um und stellen uns an einen schoenen Platz am 3. See. Am naechsten Morgen inspiziert Joergen den Cruiser genaustens und entdeckt einen Schaden nach dem anderen. Die Stimmung sinkt auf den Tiefpunkt. Die drei Bolzen chinesischer Herstellung die den Schuh fuer das vordere Federpaket halten, haben sich geloest, eine ist ganz verschwunden. Und das drei Tage nach der Reparatur. „China-Muell" wird unser Wort des Monats…

Durch die geloesten Bolzen hat sich der Schuh ein bisschen nach vorn geschoben, was evt. die Ursache dafuer ist, dass unser vorderer Stabilisator gebrochen ist. Der Stabilistator ist schnell ausgebaut und weilt nun auf einem tadjikischen Schrottplatz. Zudem ist eine Buchse, die das hintere linke Federpaket haelt komplett zerstoert. Nun scheuert Metall auf Metall und gibt waehrend der Fahrt „schoene" Toene von sich. Da war die verschmorte Sicherung nur noch Nebensache.

Angesicht dieser Tatsachen beschlossen wir, umgehend nach Pendzihkent zu fahren, um von Simon aus eine Werkstatt zu finden. Dieser nicht minder ueberrascht ueber unsere fruehe Ankunft nahm uns dennoch herzlich bei sich auf. So hatten wir das Vergnuegen, Simon, seine Frau Verica und ihren suessen Sohn Mirco kennen zu lernen. Sie leben seit sechs Monaten in Pendzihkent/ Tadjikistan. Durch die beiden erfahren wir viel ueber die Arbeit der Welthungerhilfe und auch das Leben mit einem Kleinkind in Tadjikistan. Die beiden scheinen sich sehr gut arrangiert zu haben.

Wir steuern am naechsten Tag eine Werkstatt an und unsere intuitive „Auswahl" laesst uns nicht im Stich. Der Mechaniker ist sehr nett und man behebt die Schaeden so gut es eben geht. Eine Original Buxe ist natuerlich nicht aufzutreiben, so muss eine zurecht geschnitzte Gummibuxe aus einem UAS herhalten. Danach werden wir auf einen Tee eingeladen. Die Frau des Mechanikers deckt reichlich auf und wir sinken erschoepft und froh ueber die einigermassen gute Reparatur auf die Kissen.

 

04.10.2006_ Heute planen wir nach Usbekistan einzureisen. Dass dieser Tag der bisher „schwaerzeste Tag" unserer Reise werden wird, ahnten wir morgens noch nicht. Deswegen moechten wir genau ueber unsere Erfahrung berichten, um andere Tadjikistanreisende darauf aufmerksam zu machen und zu warnen. Bei unserer langen Recherche in Deutschland, was in den zu bereisenden Laendern zu beachten ist, haben wir uns alle erdenkliche Muehe gegeben. Wir haben die einschlaegigen Websites durchforstet, viele Reiseberichte gelesen, mit Leuten gesprochen (die schon durch die Laender gereist sind), Reisefuehrer gewälzt und fuer die Visabeschaffung mit mit der Berliner Visumzentrale zusammengearbeitet und uns beim Auswaertigen Amt erkundigt. Außerdem haben wir uns fuer unsere Tadjikistanreise einen „angeblichen Spezialisten" (ansaessig in Almaty) mit ins Boot geholt, damit hier alles glatt laeuft und wir die noetigen Infos und Genehmigungen haben.

Doch leider kam dann bei unserem Versuch aus Tadjikistan auszureisen, doch alles anders: Nachdem wir am Morgen in das tadjikische Grenzgebiet eingefahren sind, verlangen die Beamten der Miliz eine Gebuehr in Hoehe von 90 $ von uns. Da wir von dieser Gebühr noch nie gehoert hatten, fragten wir nach, wofuer genau dieses Geld zu entrichten sei. Die sehr unfreundlichen und abweisenden Milizkollegen koennen uns diese Auskunft jedoch nicht geben, da niemand Englisch oder Deutsch spricht und die Uebersetzerin leider gerade heute morgen nicht da ist. Nachdem uns ein Uebersetzer der Welthungerhilfe zur Hilfe gekommen ist, wird ploetzlich die Anschuldigung erhoben, dass wir unser Auto nicht registriert haben. Dies sei Pflicht fuer alle auslaendischen Fahrzeuge und da dies bei der Einreise versaeumt wurde, wird kurzerhand unser Auto sichergestellt. Wir sollen fuer jeden Tag, den wir den Landcruiser nicht registriert haben, 50 $ Strafe bezahlen! Bei letztendlich 20 Tagen sind das Sage und Schreibe 1000 $!

Man kann sich vorstellen, dass wir uns bei dieser Anschuldigung entsetzlich gefuehlt haben. Zum ersten Mal erfahren wir am eigenen Leibe, wie es ist, der absoluten Willkuer der Polizei ausgesetzt zu sein. Hier herrscht kein Rechtsstaat, jeder ist sich selbst der naechste…

Wenn wir die Strafe nicht bezahlen koennen, droht uns der oberste Milzchef an, unser Auto zu verkaufen. Nach langem Debattieren wird uns gestattet, das Auto wieder mit zur Welthungerhilfe zu nehmen und wir beginnen, alle Hebel in Bewegung zu setzen. Die Beamten gestehen uns zwar zu, dass der Fehler gar nicht bei uns, sondern bei den Kollegen am Einreisegrenzuebergang am Kysylart Pass liegt, aber da dies ein anderer „Oblast" (Verwaltungsregion) ist, sei das nicht ihr Problem. Wir koennen uns ja an das Ministerium in Duschanbe wenden, aber die Strafe erhoeht sich jeden Tag um weitere 50 $! Von der Miliz wird absolut gar nichts unternommen, um die Sache aufzuklaeren. Unser Recht einzufordern liegt ganz bei uns. Zudem wird der Fahrzeugschein und Joergens Reisepass einbehalten. Dieser leider unrechtmaessig, denn gegen Joergen liegt nichts vor. Aber so etwas interessiert die Deutsche Botschaft auch nicht weiter. Man koenne da nichts tun…

Leider ist es nun auch nicht mehr moeglich, die Sache „tadjikisch like" zu loesen (ein bisschen Kohle fuer den Chef…) da es sich so aufgebauscht hat, dass bereits alle hoeheren Instanzen informiert sind.

 

05.10.2006_ Von der deutschen Botschaft in Duschanbe ist nach einigen Telefonaten mit keiner Hilfe zu rechnen. Sie koennen sich aber gegen Nachmittag letztendlich doch dazu durchringen, ein Fax an das tadjikische Ministerium zu senden. Besser spaet als nie – fuer uns jedoch zu spaet. Unser fuer Reisen durch die Stan-Laender spezialisiertes Reisebuero zeigt sich ebenfalls sehr ueberrascht ueber die Forderung und hat noch nie etwas von diesem Gesetz gehoert. Merkwuerdig (fuer einen „Spezialisten"…)und letztendlich sehr uebel fuer uns, da das Gesetz seit mehreren Jahren besteht.

Von einer Freundin aus Duschanbe, die sich dort mit dem Ministerium in Verbindung gesetzt hat, erfahren wir spaeter, dass wir den Reisepass und den Fahrzeugschein an der Grenze abholen koennen, um nach Duschanbe zurueckzufahren und die Sache dort zu regeln. Gott sei Dank.

An der Grenze angekommen, werden wir unter einem Vorwand, dass wir nun doch ohne Strafe ausreisen koennen, in das Grenzgebiet gelockt. Daraufhin wird das Auto „sichergestellt" und niemand kommuniziert mit uns. Wir bekommen keine Moeglichkeit zu telefonieren und mit unserem deutschen Handy ist dies sehr schwierig (ganz zu schweigen von den Kosten). Wir warten 7 Stunden an der Grenze auf einen Anruf des Ministeriums bei der Miliz – doch nichts tut sich. Abends werden wir von unserem Uebersetzer der Welthungerhilfe abgeholt und muessen das Auto zuruecklassen. Und das bei den korrupten Beamten dort… Am Abend bleiben wir bei Veriza, Simons Frau, zu Hause. Wir entscheiden, die Strafe zu zahlen, wenn sich bis zum naechsten Mittag nichts tut.

 

06.10.2006_ Wir fahren also wieder in Begleitung unseres Uebersetzers an die Grenze. Erwartungsgemaess ist hier natuerlich kein Anruf des Ministeriums eingegangen. Wir bezahlen also die 1190 $. Gluecklicherweise hatten wir uns in Samarkand mit vielen Dollars eingedeckt, da wir ja im Iran keine Moeglichkeit haben, Travellerchecks einzuloesen oder Geld mit unseren Kreditkarten abzuheben. Nach einer halben Stunde sind alle Formalitaeten erledigt, wir sind nahezu „mittellos" und unsere Stimmung ist auf dem absoluten Tiefpunkt.

Schade, dass unser Trip durch das sehr schoene, gastfreundliche Tadjikistan so ein unschoenes Ende genommen hat. Tadjikistann hat unserer Meinung nach noch einen sehr langen Weg vor sich, um evt. in der Zukunft einige Touristen begruessen zu koennen oder sogar auslaendisches Kapital ins Land zu ziehen. Von Rechtssicherheit, wie wir sie aus Europa kennen, kann ueberhaupt keine Rede sein. Die Art und Weise in welcher die Miliz, bzw. die staatlichen Organisationen mit uns umgesprungen sind, sucht sicherlich seines Gleichen in Zentralasien. Wir waren unschuldig der staatlichen Willkuer ausgesetzt und mussten dies teuer bezahlen. Auch wenn Tadjikistan eigentlich ein wundervolles Land zum bereisen ist, sollte sich jeder ueber solche Dinge im Klaren sein, der auf eigene Faust dieses Land durchfahren will.

Fuer unsere zukuenftige Reise bleibt nun leider ein ungutes Gefühl zurueck. Wir koennen nicht mehr sicher sein, alles recherchiert und getan zu haben, um problemlos reisen zu koennen.