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06.-15.10.06
Usbekistan
Usbekistan_ Wueste, Minarett, Medrese und Werkstatt
06. Oktober 2006_ Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Die Tage an der Grenze haben ihre Spuren hinterlassen.
 
Zum Glueck verlaeuft die Einreise nach Usbekistan gut. Wir sind nach den Erlebnissen in Tadjikistan allerdings total angespannt und erwarten von jedem Polizisten nur Schlechtes. Wir haben dennoch Glueck und ein tadjikischer Reisefuehrer hilft uns bei den Einreiseformalitaeten. Allerdings weigert sich der Veterinaer, Muffin zu registrieren. Man hat den Eindruck, dass die Leute Angst haben, Verantwortung zu uebernehmen. Nie mussten sie fuer irgendetwas Verantwortung uebernehmen und jetzt traut sich keiner, weil man ja „zur Rede" gestellt werden koennte. Es ist zum schreien!
Dank unseres Helfers tragen wir Muffin dann - unueblicherweise - mit in die Zolldeklaration ein. Die Zollbeamtin liest sich die Deklaration erst gar nicht durch und setzt ihren Stempel drunter. So ist Muffin wenigstens dort angegeben- fuer den Notfall. Am Zoll wird unser Auto gut durchsucht und sogar ein kleiner Cockerspaniel muss seinen Dienst verrichten und unser Auto durchschnueffeln. Muffin findet das gar nicht witzig...
Dann endlich sind wir in Usbekistan. Die kleinen Orte auf dem Weg nach Samarkand unterscheiden sich kaum zu denen, anderer Stan- Laender. Am Wegesrand reihen sich zig Baumwollfelder aneinander. Wir fahren sozusagen zur Haupterntezeit durch Usbekistan. Die Ernte ist eine nationale Angelegenheit und so wird jeder abkommandiert und in den Doerfern werden Bettenlager fuer die anreisenden Staedter aufgestellt. Sonntags wird sogar der Basar geschlossen, damit auch wirklich jeder mit Hand anlegen kann.

Am spaeten Nachmittag erreichen wir Samarkand. Uns erwartet eine quirlige, moderne Stadt. Wir steuern direkt ein Bed & Breakfast an, welches am Gur Emir, einer der Hauptsehenswuerdigkeiten, liegt. Eine imposante blaue Kuppel erhebt sich ueber dem Mausoleum.
Kaum aus dem Auto gestiegen, wird Jessi auf Englisch von einem Typen angesprochen. Ob das unser Auto ist und ob sie Jessica heisst. Wer in aller Welt kennt hier ihren Namen? Schnell stellt sich heraus, das wir in der riesigen Stadt zufaellig auf Matt und Oskar getroffen sind, die mit uns gemeinsam Turkmenistan durchqueren werden. Die Welt ist so klein...
Wir finden ein B&B und duerfen sogar fuer kleines Geld im Auto uebernachten mit Badbenutzung und Fruehstueck. Den Tag darauf zieht uns die Stadt in ihren Bann und die Laune bessert sich erheblich.


07. Oktober 2006_ Als erstes gehen wir Geld wechseln und schon das ist einen kleinen Absatz wert!
Wir haben den Tipp bekommen, dass es tatsaechlich moeglich ist, in Samarkand Traveller Checks zu wechseln. So machen wir uns auf zur Usbekischen Zentralbank, einem schoenen alten Gebaeude. Beim Eintreten erinnert der grosse Innenraum an eine kleine Bahnhofsvorhalle mit ebenso vielen Leuten und es herrscht ein irres Gewusel. Der Stuck ist noch gut erhalten und die Pastellfarben an den Waenden strahlen trotz der dicken Staubschicht. Links und rechts vom Hauptgang wird der Raum durch Tresen abgetrennt. Durch die beklebten Glassscheiben auf den Tresen, kann man einige Blicke in den Rueckraum werfen. Zudem sind die Scheiben so beklebt, dass man sich, wenn man sich mit einem Angestellten unterhalten will, immer runterbuecken muss.
Der Anblick der Einrichtung erinnert an die Sowjetzeit und beim Blick hinter die Tresen stockt einem fast der Atem. Hier stehen Computer auf den Plaetzen und das ist das einzige, was einen nicht an das Altertum erinnert. Die Bildschirme zeigen, einsehbar fuer jeden Kunden, Fotos von sexy Frauen und private Bilder der Angestellten. Ansonsten wird alles „per Hand" gemacht. Die Blaupause ist das wichtigste Hilfsmittel und Papierstapel reihen sich meterweise aneinander. Wir werden auf Englisch bedient und man stellt Zettel aus mit allen wichtigen Details. Die Paesse werden an die Kasse weiter gegeben. Dort steht ein Pulk von Leuten dicht gedraengt. Jeder moechte Geld abholen. Wir warten und haben Glueck. Die bereits total gestresste Kassiererin nimmt uns vor den anderen an die Reihe. Sie ruft Jessis Namen und Jessica bahnt sich einen Weg durch die dicht gedraengten Leiber. Man traut kaum, sich umzuschauen, wegen der gesonderten Behandlung, doch man laechelt freundlich zurueck. Nun zaehlt die Kassiererin das Geld ab, welches fuer Jessica bestimmt ist. Ungefaehr zwoelf Augenpaare zaehlen dicht um sie herum mit. „Diskretion" oder „Bitte Abstand halten" gibt es in Asien nicht. So kann man wenigsten sicher gehen, dass sich die gute Frau nicht verzaehlt. Sie schiebt das Geld unter der Scheibe durch und ruft Joergen. Dann wird die Kassiererin von einer Kollegin unterbrochen. Sie soll einer anderen Frau zuerst das Geld auszahlen. Sichtlich unerfreut ueber diese Unterbrechung zahlt die gestresste Frau der Kundin das Geld aus und macht dann mit den anderen Kunden weiter.
Und sie vergisst uns.
Jessi macht sich bemerkbar und erinnert sie an Joergens Geld. Ganz erstaunt schaut sie uns an, ob sie uns denn nicht die 490 $ schon ausgezahlt haette. Nun sind wir froh, das wir eingequetscht vor der Kasse stehen, denn alle um uns herum versichern ihr, dass sie uns vergessen und noch nicht ausgezahlt hat. Das sind so die kleinen Zwischenfaelle die uns staendig begleiten.

Samarkand ist ueber 2700 Jahre alt. Unter Timur wurde Samarkand einst zur wichtigsten Kultur- und Handelsstadt in Mittelasien. Die Architekturdenkmaeler, fuer die Samarkand beruehmt ist, stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert.
Heute hat die Stadt ca. 370.000 Einwohner. Laut Reisefuehrer waere das heutige Samarkand, wuerden nicht ueberall die timuridischen Bauwerke blitzen, eine langweilige, zerrissene Stadt ohne Athmosphaere. Leider haben wir zu wenig Zeit, um dies heraus zu finden. Wir halten uns in dem alten Stadtteil auf, wo die Bauwerke aus 1001 Nacht zu besichtigen sind.

Wir haben vor, drei Tage zu bleiben und dann weiter nach Bukhara, einer alten Wuestenstadt zu fahren. Als erstes besichtigen wir den Registan, das bekannteste Symbol Usbekistans, mittlerweile Weltkulturerbe der UNESCO. Der Registan, woertlich uebersetzt „Sandplatz" wird von drei Medresen umgeben. Die Medresen sind muslimische Hochschulen, an denen der Koran und Rechtswissenschaften, spaeter auch andere Faecher unterrichtet wurden. Sie bestehen in der Regel aus einem rechteckigen oder auch quadratischen Innenhof, um den in zwei Stockwerken die Hoersaele und Zellen der Studenten gruppiert sind. Fenster und Ausgaenge gehen nur zum Innenhof. So ist man gegen jede Ablenkung von Aussen abgeschirmt. Im Innenhof haben sich zig Souvenirverkaeufer ausgebreitet und preisen ihre Waren an. Trotz des Commercials herrscht eine gemuetliche Stimmung.

Danach erreichen wir den Hauptbasar. Ein absolut authentischer Ort. Die Staende reihen sich dicht gedraengt aneinander. Es gibt einfach alles. Meterlange Reihen von Obst und Gemuese, alle Arten von Nuessen und getrocknetes Obst in bunten Plastikkoerben. Daneben Schuhe und Klamotten, Werkzeug, frisch frittierte Teigtaschen und ganz beliebt ist der Verkauf von Plastiktueten, am Besten mit einem Brittney Spears Motiv. Besonders beeindruckend ist der Teil, in dem ausschliesslich Gebaeck verkauft wird. Hier stapeln sich bergeweise die leckersten Kekse und Kuchen. Man kann einfach nicht widerstehen. Daneben kommt dann sogleich der Fleischverkauf. Fuer Europaeer ein gewoehnungsbeduerftiger Anblick. Das Fleisch haengt in grossen Stuecken ueber den Tresen und wird fleissig von Wespen bearbeitet. Es sieht sehr unappetitlich aus. Das Fleisch ist jedoch ganz frisch. Es wird direkt nach Schlachtung verkauft und verarbeitet. Kuehlketten auf Grund von Transporten braucht es hier nicht. Muffin freut sich auf jeden Fall ueber das leckere, frische Lammfleisch. In Deutschland koennten wir uns das kaum leisten.


08. Oktober 2006
_ Auch den zweiten Tag verbringen wir mit Besichtigungen. Diesmal schauen wir uns die grosse Bibi-Xanom-Moschee an. Der Herrscher Timur wollte hier die grossartigste Moschee der oestlichen Welt bauen lassen und tatsaechlich war es eines der groessten Bauwerke seiner Art. Allerdings waren die ueberdurchschnittlichen Ausmasse des Baus zu gross fuer die ueblichen Baumaterialien und architektonischen Faehigkeiten der damaligen Meister. Dazu kamen haeufige Erdbeben und somit ist ein grosser Teil der Anlage wieder eingestuerzt.
Wir treten durch das gigantische Portal in den Innenhof. Die Groesse der Anlage ist beeindruckend, aber in der Moschee erwartet uns ein kuemmerlich zusammengefallener Innenraum. Der Wind zieht durch die grossen Oeffnungen und die Tauben haben es sich ueberall gemuetlich gemacht. Teile wurden mit Stahlbeton zum Halten gebracht. Die Dekore an der Wand sind nur noch an manchen Stellen blass zu erkennen. Kein wirklich schoener Anblick. Samarkand legt grossen Wert auf die Restauration seiner Denkmaeler, hier haben sie anscheinend erst angefangen.

Uns zieht es weiter zur Nekropole Shohizinda. An einem 70 Meter langen Korridor sind 16 Gebaeude, Mausoleen und Moscheen angeordnet. Uns erwarten ueberwaeltigende und maerchenhafte Dekore. Die Vielfalt an Ornamenten auf den lasierten, teilweise reliefartigen Kacheln, die einzelnen reich verzierten Innenraeume sind schier ueberwaeltigend und auch erschoepfend.
Um uns vom vielen Schauen und betrachten zu erholen, bummeln wir wieder ueber den aufregenden Markt und goennen uns lecker gefuellte Teigtaschen.

Am Abend wollen wir tanken fahren und rauschen ungebremst in ein tiefes Schlagloch. Ein lautes Geraeusch und die Hauptfeder im Federpaket vorn ist durch. Irgendwie steckt da Momentan der Wurm drin. Haetten wir vielleicht doch ein neues Fahrwerk vor der Abreise kaufen sollen?!
In Samarkand koennen wir den Schaden nicht reparieren lassen. Hier gibt es keine Ersatzteile. Die einzige Moeglichkeit ist, in das ca. 300 km entfernte Tashkent zu fahren. Hier soll es einen Toyotadealer geben. Also alle Plaene wieder umgeschmissen, den Schaden notduerftig in Samarkand repariert und auf geht's nach Tashkent.


09. Oktober 2006
_ Zum Glueck hatten wir zuvor im B&B Roland kennen gelernt, der aus Deutschland kommend fuer die deutsche Botschaft in Tashkent arbeitet. Hier wurden wir freundlich aufgenommen und konnten in Ruhe nach der Werkstatt suchen. Roland und seine Frau haben zuvor einige Jahre in Kenia gelebt und wir staunen ueber die geschmackvolle afrikanische Einrichtung.
Zum Glueck kann das Auto an einem Tag repariert werden. Joergen ist sicherheitshalber in der Werkstatt geblieben und das war gut so. Denn sonst haetten wir jetzt einige noch groessere Schaeden am Auto...
Leider hatten sie auch hier keine Originalteile, aber wir haben eine Ersatzfeder von einem LKW bekommen. Doppelt so dick, wie die normalen Federn. Das sollte wohl genuegen.


12. Oktober 2006_ Wieder guter Dinge fahren wir nach Bukhara. Leider verbringen wir nur ein paar Stunden in der historischen Altstadt. Laenger koennen wir nicht bleiben, da unser Zeitplan stark ins wanken geraten ist. Bukhara ist eine Oase mitten in der Wueste Kizilkum. Besonderen Wert hatte die Stadt fuer die Entwicklung der Seidenstrasse. Sie war einst ein wichtiger Warenumschlagplatz und intensiver Fernhandel verband sie mit Persien, China, Indien und Russland. Wir bummeln gemuetlich durch die schoenen Gassen und bestaunen die Moscheen, Medresen und vor allem die alten Handelsgewoelbe. Da wir uns allerdings schon in Samarkand satt gesehen haben an blauen Kacheln, ziehen wir die Ruhe in einem kleinen Cafe, im gemuetlichen Innenhof vor. Es gibt starken Kaffee mit Cardamom und dazu leckere Suessigkeiten, die nur in dieser Region hergestellt werden.

Die Nacht verbringen wir in der Wueste. Fuer Muffin ein reines freudenfest, da er nach den nicht so „Hunde freundlichen" Tagen in den Staedten endlich mal wieder nach Herzenslust rennen und toben kann.


14. Oktober 2006
_ In Khiva finden wir wieder ein schoenes B&B mitten im Herzen der Altstadt. Die Stadt liegt zwischen der Roten und der Schwarzen Sandwueste. Davon merkt man allerdings nicht viel, denn ein weit verzweigtes Kanalsystem verwandelt die Umgebung in eine fruchtbare Oase. Die Altstadt ist von einer Festung umgeben. Sie wurde unter Denkmalschutz gestellt und aehnelt einem grossen Freilichtmuseum. Auch hier gibt es wieder eine Menge zu entdecken. Besonders sind die grossen Minarette, die aehnlich wie Leuchttuerme in die Hoehe ragen. In jedem Haeuschen kann man den Handwerkern ueber die Schultern schauen und zusehen, wie z. B. die aufwendigen Muster in die Holztueren geschnitzt werden.
Am naechsten Tag geht's weiter Richtung Nukus. Langsam steigt die Aufregung, denn Morgen werden wir nach Turkmenistan einreisen. Wir sind schon sehr gespannt, denn schliesslich werden wir die ganze Strecke von einem Fuehrer begleitet.