Der Umbau

Nachdem wir nun das Auto bei uns in Mainz stehen hatten und diverse Touren damit machten, stiegen wir immer mehr in die Planung ein, wie denn der Innenausbau des Wagens am Ende aussehen sollte.
Der Ausbau, mit dem wir den BJ gekauft hatten, war für 4 Personen zugeschnitten.
Hinten 4 Sitzplätze, großer Tisch, 2 Schlafplätze im Hubdach und 2 Schlafplätze unten. Dazu ein dicker 12-V-Kompressorkühlschrank. Aber wenig Stauraum und ansonsten auch nicht sonderlich geeignet, um damit zu zweit (bzw. zu dritt: mit Muffin unserem Hund) auf große Tour zu gehen.

Also komplett raus damit!


 

Anforderungen an den Ausbau

Viele Anforderungen stellten sich an die neue "Einrichtung". Viel Stauraum sollte es geben, möglichst gewichtsmäßig zwischen den Achsen verteilt und nicht zu weit hinten (hinter der Achse hängt ja schon der 120-Liter-Zusatztank, wo normalerweise ein Ersatzrad sitzt. Das aber hängt vor der linken Hecktür).
Außerdem sollen auf jeden Fall zwei vernünftige Sitzplätze entstehen. Zum einen, damit wir auch mit 4 Leuten fahren können und natürlich auch, um mal schlechtes Wetter entspannt und einigermaßen bequem im Auto zu überstehen.
Außerdem sollte man auch vom Heck her bequem ins Auto kommen, ohne dabei auch die linke Tür öffnen zu müssen. Dann brauchen wir noch einen guten Platz für unsere Engel-Kühlbox und die kleine 5 Kilo Gasflasche (zum Kochen) braucht auch noch einen belüfteten Platz, der sich relativ weit unten im Auto befindet.

Die ganze Konstruktion soll natürlich nur mit dem Fahrzeugboden verbunden werden, damit sich alles noch schön bewegen kann, wenn sich der BJ im Gelände mal ein wenig schüttelt und verzieht. Gut wäre auch, wenn man 2 Campingstühle irgendwo vernünftig unterbringen könnte und vielleicht auch noch einen kleinen Tisch.
Weiterhin muss es noch eine Konstruktion für das Bett im Klappdach geben.

CAD

Nachdem nun die gesamte "Ladefläche" des BJ's leer war, konnte ich ganz gut Maß nehmen und zeichnete das Heckteil in CAD.
Der Vorteil hierbei war, dass ich sehr maßgenau die verschiedenen Ausbau-Varianten ausprobieren konnte und sich alles problemlos verschieben und verändern ließ.
Als ich dann nach mehreren Wochen und zig verschiedenen Varianten zum jetzigen Endergebnis gekommen war, konnte ich durch die CAD-Zeichnung recht einfach eine Stückliste für den Holzzuschnitt erstellen und zeichnete einen Schneideplan für die beiden zu verbauenden Birke-Multiplexplatten (je 3 Meter x 1,5 Meter) in 15mm Stärke.
Vielen Dank an dieser Stelle an die Messebaufirma Expopartner aus Mainz-Kastel www.expopartner.de, bei der ich die Platten bestellt habe und auf deren Plattensäge ich den Zuschnitt machen durfte!

Der Innenausbau

Die Kühlbox landete direkt hinterm Fahrersitz (der Beifahrer kann die Box auch während der Fahrt gut erreichen) und die Gasbuddel fand Ihren Platz vor dem rechten hinteren Radkasten, wo Joachim dankenswerterweise bei der "Restaurierung" vor 8 Jahren eine Staubox eingeschweißt hatte. Hier lies sich auch gut eine geschützte Entlüftung einbauen.

In der Staubox auf der anderen Seite (unter der Kühlbox) fanden die Deta-Säure-Batterie (105 Ah) für das Solarpanel Platz. Um zumindest ein klein wenig Anti Dröhn Maßnahmen zu ergreifen, wurden die Radkästen und Teile der Außenhaut des BJ's mit 20 mm dicken Isoliermaterial beklebt. So entsteht auch nicht so viel Tauwasser an den Sitzpolstern.
Ebenso füllte ich die Sicken des Bodens mit den übrigen Dämmstreifen, bevor ich die zweiteilige Bodenplatte mit je 4 Schlossschrauben mit dem Fahrzeugboden verschraubte.

Ich hatte lange überlegt, aus welchem Material ich die Schränke bauen sollte. Es musste schon ein Holzwerkstoff sein, alles andere wäre zu teuer und ich könnte es nicht so gut verarbeiten. Also entschied ich mich für 15mm dicke Birke-Multiplexplatten. Die sind zwar relativ schwer (Gewicht ist zwar immer ein bisschen blöd im Auto, aber der schwere BJ mit dem 12 HT-Motor kann das schon vertragen) aber auch sehr stabil. Immerhin soll das ganze ja auch für mindestens 2 Jahre auf außereuropäischen Straßen taugen. Ich habe die Regalteile mit Lamellos verleimt und danach 2-fach mit Wasserlack lackiert. Die Rückwände sind aus Alucobond.

Schon vor längerer Zeit hatte ich bei einem anderen Ausbau im Internet die äußerst empfehlenswerten RAKO-Boxen entdeckt. Diese Boxen sollten auch das Grundprinzip für einen gut überschaubaren Stauraum bieten, den man auch während der Reise gut organisieren kann. Insgesamt befinden sich 2x 20-Liter, 3x 40Liter, eine 60 Liter und eine 90-Liter RAKO-Box im Schranksystem. Das sind immerhin 310-Liter in Kisten. Nach langem Gesuche bei Ebay konnte ich 4 RAKOS günstig ersteigern. Die fehlenden drei hab ich direkt beim Hersteller zum Sonderpreis bekommen. Die schwarzen RAKOS sind im Gegensatz zu den grauen antistatisch.

Ich wollte auf keinen Fall irgendwelche Türkonstruktionen mit Scharnieren oder Beschlägen im Auto haben. Als praktikabelste, einfachste und robuste Lösung entschied ich, die Boxen mit Spanngurten während der Fahrt zu sichern. Zu meinem Erstaunen klappern die Teile überhaupt nicht während der Fahrt, wenn ein wenig Gewicht in den Kisten ist.
Erst hatte ich Spannkrampen auf die Vorderkanten der Regale geschraubt, kam dann aber auf die Idee, mit einer Fräse Schlitze ins Holz zu fräsen, durch die die Spanngurte gezogen werden können. Somit kann man jede Kiste einzeln sichern und entsichern.

Im Schrankteil über der Kühlbox befindet sich die "Elektrozentrale". Hier sind das Netzgerät für die Engel-Box, ein kleiner 12/ 220 Volt-Gleichstrominverter und das Solarladegerät untergebracht. Falls mal ein 220 Volt Stromanschluss zur Verfügung steht, hab ich hier noch 3 Schuko-Steckdosen eingebaut.

Ansonsten kann man in beiden Schränken noch je einen 20 Liter-Wasserkanister festzurren, oder irgendwelche anderen Sachen hinter den Spannnetzen verstauen.
Unter den beiden Schränken vor den Radkästen finden unsere beiden Campingstühle ihren Platz. Beim linken Schrank hinter dem Beifahrer ergab sich konstuktionsbedingt noch ein kleiner Raum über dem Radkasten, in den genau unser 2-Flammen-Enders-Gaskochher passt.
Ein kleiner Tisch (der hinten im Auto auch sehr gut zwischen die beiden Sitze passt) wird direkt hinter dem Beifahrersitz am Schrank befestigt.

Unter den beiden Sitzbänken im Heck befindet sich noch gut nutzbarer Stauraum, der schnell von Außen erreichbar ist (zum Beispiel ist hier unser kleiner Kompressor befestigt). Außerdem hab ich hier noch zwei Lautsprecher eingebaut, damit es hinten auch ein bisschen Musik gibt.

Hinter dem rechten Schrank wurden zwei Gasleitungen verlegt. Die eine führt direkt vom Gasschrank aus nach oben, wo über einen Schnellkupplung der Gaskocher angeschlossen werden kann. Hier hat man dann eine richtig gute "Küchenzeile" mit einer Arbeitshöhe von 110 cm. Die zweite Gasleitung endet im rechten Sitzbankkasten. Hier kann ebenfalls der Gaskocher angeschlossen werden, wenn er draußen verwendet wird. Hierzu habe ich eine kleine Konstruktion gebaut, die an der rechten Hecktür befestigt wird.

Um weitern Stauraum für Werkzeug, Öl, Ersatzteile, Grillkohle und sonstige "dreckige" Sachen zu bekommen, habe ich direkt vor den beiden Frontkotflügeln zwei kleine Aluboxen montiert. Zusätzlich mit der schon vorhandenen Werkzeugbox findet hier einiges seinen Platz. (Die Boxen hab ich mal für 1,- € bei Ebay ersteigert. Ursprünglich konnten hier mal jeweils zwei 20-Liter-Jerry-Can-Kanister drin stehen. Ich musste nur noch 2 Deckel anfertigen (Dank an Daniel!) und eine Dichtung einlegen.

Da das Klappdach aus zwei VA-Rahmen (die Rahmen sind sehr massiv und steifen die Karosserie gut zusätzlich aus) besteht, bietet sich hier die Möglichkeit, einen offroadtauglichen Dachträger gut zu befestigen. Da ich nicht zu viel Gepäck/ Gewicht nach oben verlagern möchte, sollten lediglich das Solarmodul (Kyocera 120 WP) und eine Zargesbox (60x80x25cm – original Bundeswehr-Bestand – unbenutzt bei Ebay für 60,- €) auf dem Dach landen. Das alles noch möglichst weit vorne, damit man das Klappdach, was manuell aufgestellt wird, noch relativ bequem bewegt werden kann.

Da die Beleuchtung beim 45'er naturgemäß schon recht dürftig ausfällt und zudem noch die kleinen Aluboxen auf der Stoßstange unter den Scheinwerfern montiert sind (was deren Lichtkegel noch mehr einschränkt), finden zwei HELLA RALLYE 3000 F Fernscheinwerfer direkt über der Frontscheibe am Dachträger Ihren Platz und bringen bei Bedarf ein wenig Licht ins Dunkel. Um auch zu sehen, was sich im Dunkeln neben unserem Auto so tut, habe ich noch zwei kleine Seitenscheinwerfer am Dachträger befestigt.
Für den Dachträger waren nur 2 stabile Traversen notwendig, die mit jeweils 4 M8-Bolzen am oberen VA-Rahmen verschraubt wurden.

Sandblechhalter

Zwei 1,50 m lange 5 mm dicke DURALUMINIUM Sandbleche sollen auch mit auf die Reise gehen. Diese Teile habe ich vor einiger Zeit günstig bei Ebay ersteigern können. Die Bleche sollten wegen der besseren Handhabung und günstigen Gewichtsverteilung nicht auf dem Dach befestigt werden sondern am unteren Teil des Cruisers.
Was mir sehr wichtig war, dass es die Möglichkeit gibt, die Sandbleche gegen Diebstahl zu sichern. Alle im einschlägig bekannten Handel befindlichen Halterungen waren mir schlichtweg zu teuer oder erfüllten nicht die Anforderungen, die ich an die Teile stellte. Daher habe ich bei Woick in Stuttgart die einfachsten Halter bestellt und mit ein paar Aluprofilen verfeinert. So bekommen die Bleche einen vernünftigen Abstand zur Fahrzeugaußenhaut und durch die beiden VA-Ösenbolzen können die Bleche mit zwei Vorhängeschlössern gesichert werden.

Solarpanel/ Dachträger

Das Solarpanel habe ich mit 4 Schwingunsdämpfern auf dem Dachtäger montiert. Es ist ein wenig geneigt, damit das Wasser ablaufen kann und die warme Luft unter dem Panel gut abzieht. Die beiden Kabel des Panels laufen zunächst durch Panzerverschraubungen in die Dachbox (wie auch alle Kabel der Scheinwerfer) und werden hier auf ein 5-adriges Kabel umgeklemmt. Dieses Kabel wird nun wiederum aus der Box herausgeführt und endet an einem Setcker, der auf dem Dach in die dazugehörige Dose gesteckt wird. Somit gibt es nur eine Dachdurchführung, die abzudichten war. Außerdem kann so bei Bedarf der Dachträger schnell demontiert werden (Lösen der acht Bolzen), ohne die Verkabelung zu lösen.

Was sonst noch zu tun war

Weiterhin haben Jessi und ich noch die Hecktüren ausgebaut, generalentrostet, neu hohlraumversiegelt und Ihnen neue Dichtungen gegönnt – teurer Spaß, aber es hat sich gelohnt!

Bei einem Check des Scheibenrahmens (aufgrund eines nett gemeinten Hinweises auf dem Buschtaxi Treffen 2005) musste ich leider entdecken, dass sich oben (!) auf dem Blechfalz, der das Scheibengummi hält, erheblicher Rost gebildet hatte. Dies kam mit Sicherheit daher, da das Klappdach leichte Dichtigkeitsprobleme hat, an der A-Säule bei Regen immer ein bisschen Wasser in den Innenraum gelaufen ist und sich dann unter der Gummilippe gesammelt hat...
Nachdem wir die Scheibe ausgebaut hatten (da sie einen Steinschlag hatte, ist sie dabei leider auch genau dort gerissen...) wurde dann auch das ganze Ausmaß sichtbar. Hier musste unbedingt etwas rausgeschnitten und geschweißt werden – sonst hätten wir nicht mehr lange Freude an unserem schönen Scheibenrahmen gehabt.

Diese Arbeit erledigte unser Bekannter Daniel Kohring. Vielen Dank an dieser Stelle noch mal an Daniel (der übrigens ein hervorragender Metallbauer ist)!
www.kohring.de
Die maroden Teile wurden herausgeschnitten und Daniel schweißte die neu angefertigten Bleche sauber ein. Danach erledigten Jessi und ich noch die üblichen Grundier- und Lackierarbeiten und bauten die neue Scheibe erfolgreich ein. Spannende Sache, wenn man so was zu ersten Mal macht.

Übrigens war Daniel auch noch so nett und schweißte unseren neuen Auspuffendtopf so um, dass er auch unter einen 45'er mit 12 HT-Motor passt. Die Deckel für meine Stoßstangenboxen habe ich auch mit Daniel zusammen gebaut.

Was noch überholt/ erneuert wurde

_ 5 fast neue BF Goodrich AT 235/ 85 R16
_ Motoröl (Shell teilsynthetisch 10 W 40) mit Filter kurz vor der Abfahrt
_ Neuer Hauptbremszylinder (der alte war leider undicht)
_ Tausch der Brems- und Kupplungsflüssigkeit
_ Zwei neue Kotflügel, die wir beim Autokauf mitbekommen hatten, wurden montiert
_ Neuer IRONMAN-Lenkungsdämpfer
_ Überholung der Handbremse
_ Austausch aller Gummimanschetten an der Kugelgelenken der der Lenkstangen
_ Wechseln der Schläuche der Servolenkung
_ Achs- und Getriebeöl gewechselt
_ beide Keilriemen
_ Luftfilterpatrone
_ Montage eines Kanisterhalters an der Beifahrerseite

So, fertig!
Ich hoffe, dass alles so funktioniert, wie ich es angedacht habe.